Das Porträt

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19.02.2011

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"ICH BAUE GERNE BRÜCKEN"

Sven P. Jakobson sprach mit dem künstlerischen Leiter des Tamburi Mundi Festivals, Murat Coşkun.

Welche Rahmentrommeln spielst Du?

Ich selber spiele unterschiedliche Rahmentrommeln wie beispielsweise die große Rahmentrommel,  das Schellentamburin Riq und die das Bendir aus der Türkei, die persische Rahmentrommeln Daf und Daire,  die indische Kanjira, die Marokkanische Schnarrseitentrommel Bendir, das italienische Tamburello, die spanische Rahmentrommeln (quadratisch oder auch mit Schellen), die türkische Doppelfell-Basstrommel Davul. Daneben spiele ich auch andere Rahmentrommeln, allerdings mehr für mich als auf der Bühne. Da übe ich noch ein wenig zu Hause…


Du zählst zu den gefragtesten Rahmentrommlern weltweit. Wie bist du zu dieser Kunst gekommen?

Hmmm, ich würde sagen, dass ich zu den gefragtesten, aktivsten und innovativsten Rahmentrommelspielern gehöre, ob ich dann auch gleich zu den besten gehöre…? So etwas ist immer schwierig zu sagen. Was man auch vielleicht sagen kann ist, dass ich einer der wenigen bin, der sich auf  Rahmentrommeln spezialisiert hat und dieses Instrument konsequent im unterschiedlichsten Kontext benutzt. Ich setze sie ein in Bereichen, in denen sie normalerweise nicht benutzt werden und habe sie dadurch „populärer“ gemacht, vor allem die große Rahmentrommel.

Sei es seit knapp 7 Jahren mit Giora Feidman, als Solist bei Orchestern (u.a. NDR Symphonieorchester, FBO…) oder auch im Fernsehen bei diversen Sendungen, wo stets die Rahmentrommel im Vordergrund steht. Eine meiner spannendsten Rahmentrommel-Produktionen war das Musiktheaterstück „Engel der Verzweiflung“ im Festspielhaus St. Pölten. Regisseur Joachim Schlömer kam auf die geniale Idee für sein Stück 4 Rahmentrommler einzusetzen und fragte mich, ob ich mir vorstellen könnte.

Und nun zu deiner Frage: Als Jugendlicher habe ich mich immer für Trommeln, Rhythmus, Tanz und Schauspiel begeistert. Ich habe die Rahmentrommeln allerdings erst mit Anfang 20 entdeckt, vorher hatte ich andere türkische Trommeln gespielt. fasziniert war ich von Glen Velez, das hat mich dann nicht mehr locker gelassen. Aber es war vor allem seine Art zu spielen, das hat mich sehr fasziniert, aus einem Instrument so viele klänge selber mit Händen und fingern erzeugen mit so viel Innovationsgeist und Verspieltheit und hoher technischer Kunst. Da hatte ich mich stark auf die rahmentrommeln des Nahen Ostens spezialisiert. Dann habe ich nach und nach die indische kanjira bei Hakim Ludin 5 Jahre lang studiert, nach und nach Techniken und Spielweisen anderer Rahmentrommeln aus Nordafrika, Irland, Italien, Brasilien, Zentralasien bis ich dann auch mal weltweit die erste Rahmenrommel DVD auf den Markt gebracht habe, das war auch ein wichtiger Schritt denke ich… wenn man sich der Rahmentrommelwelt einmal öffnet, dann ist das ein faszinierendes Universum, da kam ich nicht mehr raus und steck heute immer noch drin…


Wo liegen deine künstlerischen  Wurzeln?

Das frage ich mich auch manchmal. Ich habe glaube ich in diesem Sinne keine Wurzeln, bzw. ich habe mehrere wurzeln. Meine Musik spiegelt sehr meine ganz persönliche Suche nach Wurzeln, Heimat. Die Tradition gibt viel Input, verbirgt Geheimnisse, sei es musikalisch oder spieltechnisch, doch für mich sind Traditionen immer ein Startpunkt gewesen, um dann auf eine eigene spannende reise zu gehen und neue Musik zu erschaffen. Natürlich muss man die Tradition erst einmal kennenlernen, bevor man sie verlässt. Da gehören auch Kultur und Sprachen dazu. Das ist für mir persönlich immer eine Einheit, die ich versuche zu schaffen, Musik sehe ich dabei intellektuell aber genauso „aus dem Bauch heraus“, die gute Mischung ist wichtig.


Wie bist Du auf die Idee eines Rahmentrommelfestivals gekommen?

Ich baue gerne Brücken zwischen den verschiedenen Musikkulturen. Das ist wohl etwas, was ich von klein auf gelernt habe, Leben zwischen zwei Kulturen und dabei eine Balance finden, oft werde ich auch „Pendler und Wanderer zwischen den Welten“ genannt. Ich denke, dass ich dieses Prinzip für mein Leben übertragen habe und stetig Dinge Suche, entdecke, die ich verknüpfen kann, Menschen, die ich zusammen bringen und dadurch Austausch schaffen und kann. So wollte ich gerne eine Art „international fame drummers meeting“ machen, bei dem sich verschiedene Rahmentrommler weltweit treffen und sich austauschen können und gemeinsam neue musikalische Ideen entfalten können.

Durch meine jahrelangen Arbeiten hatte ich Kontakte zu vielen Rahmentrommlern, viele kannten mich schon auf Grund meiner Konzerttätigkeiten und ich war in der Szene auch über meine Rahmentrommel-DVD nicht ganz unbekannt. Das war damals weltweit die erste DVD für Rahmentrommeln und kam entsprechend sehr gut an. Ich wollte gerne ein Meeting machen, wo man sich austauschen kann, neues lernen und voneinander profitieren kann. Um ehrlich zu sein, ich hatte mir erhofft, dass ich vor allem selber vieles von den anderen Meistern lernen kann, die ich einlade. Nicht umsonst hatte ich auch meinen Lehrer Glen Velez eingeladen, der auch netterweise sofort zusagte. Die Idee, aus diesem Treffen  ein Festival zu machen, hat mir im Grunde Kathrin Hintsch vom Kulturamt Freiburg  gegeben, sie hat mich direkt gefragt, ob ich Lust hätte im Rahmen des Freiburger Münstersommers ein  Festival zu integrieren mit Hilfe der Stadt Freiburg. So wuchs die Idee mehr und hat sich von einem „Spezialistentreffen“ geöffnet zu einem Festival für allgemeine Konzertgänger.

Leider hat sich herausgestellt, dass ich als Veranstalter und musikalischer Leiter gar keine Zeit habe, mich in die Workshop und Kurse reinzusetzen und was für mich zu lernen… das war wohl eine naive Überlegung…

Das Festival ist auch eine Begegnung von musikalischen Stilistiken. Natürlich hat das Festival in erster Linie Weltmusik Charakter, doch daneben geben Rahmentrommeln die Möglichkeit auch in andere musikalische Welten einzutauschen. Das ist vor allem die alte Musik, Mittelalter bis Barock und dann weiter zu Jazz, zeitgenössischen, experimentellen Musik, Elektronik und sogar Musik mit Performance Charakter. Der Aspekt Tanz und Gesang ist ebenso sehr wichtig.


Wer sind die Musiker auf die wir uns freuen können?

Das sind alles Musiker, die ich bereits beim Tamburi Mundi Festival in Freiburg eingeladen hatte. Manche kommen aus weit her, z.B. der tadschikische Doira Spieler Sattor Fozilov, der in seinem Land als der größte Meister auf seinem Instrument zählt. Ich bin sehr glücklich, dass er dabei sein kann, das ist eine sehr hohe Kunst, die uns mit ihm erwartet. Ebenso aus weiter her kommen Mohsen Taherzadeh und Maryam Hatef, sie leben beide in Isfahan und werden 2 Wochen in Deutschland sein. Wir sind befreundet und haben auch ein eigenes Trio, mit dem wir international Konzerte geben.

Ramesh Shotham aus Köln ist ein Freund, mit dem ich immer wieder spiele und neulich im Studio Aufnahmen gemacht habe. Viele kennen ihn von Tourneen mit Rabih Abou Khalil oder Aziza Mustafa Zadeh. Ein ganz toller Mensch! Andrea Piccioni aus Rom, ebenso ein Meister des Tamburin Spiels und Gilson de Assis, der Münchner Brasilianer. Mit beiden spiele ich oft im Trio und wir haben ein spezielles Programm für Rahmentrommeln. Michael Metzler ist wohl eines der großen Namen, die man mit Rahmentrommeln immer mit erwähnen sollte. Man muss ihn gesehen haben! Dann haben wir auch noch eine Sängerin aus der Mongolei, Baadma Badamkhorol, mit der ich auch schon seit Jahren immer wieder gemeinsam auf Tour bin, sei es in Vietnam, Mongolei oder Indonesien. Alice Gartenschläger ist meine Tanzpartnerin in unserem Duo-Projekt, wir werden Auszüge davon in das Festival-Programm integrieren.

Das preisgekrönte Oriental Jazz Trio FisFüz hat seine neue CD im Gepäck, das gibt sehr spannende Begegnungen.
Es sind einig Solo-Beiträge am Abend zu sehen. Daneben erstell ich mit den Musikern ein spezielles Programm, welches wir vorher 1-2 Tage proben werden.

Das werden sehr spannende Begegnungen.

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